Verbandsliga, 9. Runde: SV Nürtingen – SG KK Hohentübingen 4:4

Das Schlimmste verhindert

Durchatmen bei den Hohentübinger Verbandsligisten: Nachdem es im Jahr 2013 bisher nur auf die Mütze gab, wurde mit einem abschließenden Unentschieden beim SV Nürtingen wenigstens der Klassenerhalt gesichert. Letztlich war es sogar ziemlich undramatisch, da alle acht Partien remis endeten. Aber bevor jemand einen Skandal wittert: Klassisch verschoben wurde das Match nicht, sondern es wurde durchaus Schach gespielt. Dass dabei die Tabellensituation im Hinterkopf stets eine Rolle spielte, lag in der Natur in der Sache, schließlich waren beide Mannschaften noch abstiegsgefährdet. Im Detail war die jeweilige Lage wie folgt: Die Kontrahenten lagen mit je 7:9 Mannschaftspunkten knapp oberhalb der Abstiegszone (vier Absteiger!), jedoch hatten die Nürtinger weniger Brettpunkte. Den Königskindern reichte somit ein 4:4 sicher, bei einer knappen Niederlage hätte die Konkurrenz mitspielen müssen. Nürtingen hingegen musste gewinnen, um sicher in der Liga zu bleiben, bei einem 4:4 bestand eine gewisse Abstiegsgefahr, bei einer Niederlage natürlich erst recht.

Die Gäste aus Tübingen hatten auch mit ihrer Verunsicherung zu kämpfen, nachdem die letzten vier Spiele auf teils schlimme Art verloren gingen. Der gute Wille, noch einmal alles zu geben, war aber auf jeden Fall zu erkennen. An der Einstellung sollte es nicht fehlen; auch die rein schachliche Vorbereitung war weitgehend in Ordnung. Ein bisschen Muffensausen musste man dennoch bei Jonathan Reichel (3) haben, der gegen Stefan Auch eine scharfe Variante wählte und ab einem gewissen Punkt die genauen Zugfolgen nicht mehr parat hatte. Der elektronische Cheftrainer meint, dass das Königskind nach einer gegnerischen Ungenauigkeit riesigen Vorteil hätte erlangen können, stattdessen aber ein objektiv dubioses Bauernopfer wählte. Auch Jonathan selbst merkte, dass er irgendwo vom rechten Weg abgekommen war, und bot, nachdem er zuvor noch ein Remisangebot abgelehnt hatte, seinerseits die Punkteteilung an. Der Nürtinger nahm an, da ihm die Sache immer noch nicht ganz geheuer war. In der Schlussphase dieser Partie hatte auch Karsten Neurohr (2) ein Remisangebot von Dirk-Achim Kukofka vorliegen und war eigentlich nicht abgeneigt, da er sich in seiner Stellung nicht ganz wohlfühlte. Der Teamchef hatte zunächst schon Weiterspielen verordnet, aber kurz darauf hatte Sorgenkind Jonathan das Remis in der Tasche, so dass auch Karsten grünes Licht bekam. Da wollte dann auch Kapitän Michael Schwerteck (4) selber nicht nachstehen. Gegen Michael Dolls völlig harmlose Weißeröffnung hätte er an sich auch ambitionierter vorgehen können, entschied sich aber in Anbetracht der Umstände doch lieber für die solideste Vorgehensweise in Form von Vereinfachung der Stellung nebst Punkteteilung. Im Anschluss nahm das Match dann immer klarere Konturen an, die für Hohentübingen ziemlich vorteilhaft waren. Matthias Hönsch (1) hatte gegen Gerd Aring ein deutlich besseres Endspiel, Kai Schumann (5) stand gegen Klaus-Dieter Templin etwas besser, Bernd Staufenberger (6) war gegen Thomas Hanak im Begriff, einen Bauern zu gewinnen, Jörg Jansen (7) stand gegen Kurt Welser aktiver und auch Lauritz Jansen (8) war mit seiner Stellung gegen Stefan Gold zufrieden. Bei normalem Gang der Dinge wäre wohl ein Mannschaftssieg herausgesprungen, aber in dieser Saison sind einfach schon zu viele nicht normale Dinge passiert. Daher erging an die Nürtinger das Angebot, die verbliebenen fünf Partien en bloc remis zu geben. Im allseitigen Einverständnis der Beteiligten wurde dies schließlich auch angenommen. Ein gewisses Risiko blieb damit für die Gastgeber, aber wenn die eigenen Spieler alle mehr oder weniger schlecht stehen, muss man eben auch mal mit dem Spatz in der Hand zufrieden sein. Die Entscheidung bewährte sich dann auch: Pfalzgrafenweiler verlor gegen Fils-Lauter; damit steigen diese Mannschaften (zusammen mit Langenau 1 und 2) beide ab und Nürtingen ist gerettet.

Und somit zum Saisonfazit: Platz 5 in der Endabrechnung hätte man vorher wahrscheinlich sogar unterschrieben. Grundsätzlich ist es ja auch positiv, wenn man sich als Aufsteiger erst einmal behauptet, aber es fällt trotzdem schwer, von einem Erfolg zu sprechen. Der krasse Einbruch in der zweiten Saisonhälfte gibt immer noch zu denken. Schlimmer als die Ergebnisse an sich waren dabei die zum Teil wirklich katastrophalen Partien. Immer wieder wurden grob fahrlässig die Punkte weggeschenkt; der Tiefpunkt war der peinliche Auftritt gegen PappnasenPfalzgrafenweiler. Gut möglich, dass man sich vom gelungenen Start hat blenden lassen und die Härte des Wettbewerbs unterschätzt hat. So kann es definitiv nicht weitergehen und die Mannschaft ist auch in der Tat gewillt, in Zukunft mehr zu investieren, um wieder erfolgreicher auftreten zu können. Die nächste Saison wird nicht einfacher, da die Liga voraussichtlich noch stärker besetzt sein wird.

So lief es im Einzelnen: Matthias begann zuverlässig wie gewohnt mit 3/4, aber nachdem er gegen Jedesheim seine Stellung überzogen hatte, kam ein Bruch in sein Spiel und er verlor noch zwei weitere Partien. 4/9 sind für ihn unterm Strich etwas enttäuschend, allerdings muss man auch sagen, dass er sein Endspiel in der letzten Runde normalerweise wohl gewonnen hätte (auch im Folgenden ist zu beachten, dass einige Spieler zum Schluss gute Stellungen „opferten“). Auch Karsten spielte zwei ganz unterschiedliche Halbzeiten: erst 4/5, dann 1/4. Insgesamt sind 5/9 eigentlich okay, auffallend ist aber, dass Karstens drei Niederlagen alle aus völlig überflüssigen Leichtsinnsfehlern in einwandfreien Stellungen resultierten. Vielleicht würde ihm mehr Spielpraxis guttun? Jonathan entwickelt sich dagegen immer mehr zum „Mr. Zuverlässig“. Natürlich war er nicht immer dabei, aber es ist doch beachtlich, dass er seit Herbst 2010 keine Partie mehr verloren hat! Seine 4/6 waren wieder ein gutes Ergebnis, auch wenn man über die (irgendwie noch gewonnene) Partie gegen PGW lieber nichts sagt. Michael zeigte ziemlich schwankende Leistungen, auch innerhalb der Partien. Sehr starke und sehr schwache Phasen wechselten sich munter ab. 4,5/9 ist ein Ergebnis im Rahmen der Erwartungen, aber wenn man zwei Gewinnstellungen verliert (besonders gegen Fils-Lauter war's kriminell), kann man schwerlich zufrieden sein. Kai erwischte eine äußerst unglückliche Saison und gewann keine Partie, obwohl die Chancen oft genug da waren. Mit 2/8 kann er natürlich nicht zufrieden sein, aber es werden sicher auch wieder bessere Zeiten kommen. Für Bernd (2/7) lief es ähnlich blöd. So wie gegen PGW aus der längst verbuchten 1 eine unglaubliche 0 wurde, hätten viele andere wahrscheinlich mit Schach aufgehört, aber Bernd ist ein Kämpfertyp und auch er wird zurückkommen. Jörg gehörte ebenfalls zu denen, die gut begannen und gegen Ende stark nachließen. Ein bisschen mehr als 4.5/9 hatte man sich von ihm an Brett 7 eigentlich erhofft, aber die nötige Konzentration war aus verschiedenen Gründen nicht immer vorhanden. Junior Lauritz konnte hingegen schon mit seinem erfrischenden Spielstil, aber auch mit seinem Ergebnis (6.5/9) überzeugen. Ein bisschen Glück mag hier und da im Spiel gewesen sein, aber es gehört auch Können dazu, um sich bietende Chancen tatsächlich zu nutzen. Wenn das alle so gut könnten, wäre die Saison viel glatter verlaufen. Ersatzspieler wurden nur für fünf Partien gebraucht, aber es sollte noch einmal Nils Müller hervorgehoben werden, der gegen die starken Ebersbacher eine gute Partie gewann und sich damit für weitere Einsätze empfahl. Danke an alle, die sich für die Mannschaft eingesetzt haben, auch wenn nicht alles geklappt hat! Das Saisonziel wurde erreicht, die Mannschaft hat sich etabliert und nächste Saison werden dann hoffentlich auch mehr gute Partien produziert.


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