Landesliga, 2. Runde:SF Plochingen – SG KK Hohentübingen 2:6

Kampf am gesamten Wochenende

(Bericht von Michael Schwerteck)

Ohne den Gegner irgendwie herabwürdigen zu wollen: Zu einem erheblichen Teil wurde das Zweitrundenmatch gegen Plochingen schon am Samstag gewonnen. Als Verbandsliga-Absteiger darf man wohl das Selbstverständnis haben, einen Bezirksliga-Aufsteiger normalerweise zu besiegen, wenn man in anständiger Besetzung antritt. Genau da lag aber das Problem: Nach zahlreichen, zum Teil kurzfristigen Absagen bestand noch am Freitag die konkrete Gefahr, dass man nur zu sechst würde antreten können – dann wäre es eine heiße Kiste geworden. Die Suche nach Ersatzleuten verlief äußerst zäh und erst am Samstagabend war nach zahllosen Telefonaten endlich der achte Mann an Bord. Ein herzlicher Dank geht an Julius Heller und Steffen Kohler, die auf den letzten Drücker einsprangen, obwohl sie an diesem wunderschönen sommerlichen Tag eigentlich andere Pläne hatten. Nicht zu vergessen deren Ehefrauen, die diese Entscheidungen mittrugen. Danke!

Aus dieser Einleitung und dem Endergebnis darf nicht geschlossen werden, dass das Spiel an sich eine leichte Übung gewesen sei. Im Gegenteil hielten die nominell klar unterlegenen Gastgeber wacker dagegen, standen teilweise sogar mehr oder weniger deutlich besser, brachen aber zumindest an den hinteren Brettern doch nach und nach ein. Am schnellsten und klarsten gewann Julius Heller (7), der Heiko Elsner mit einem klassischen Läuferopfer auf h7 erwischte. Ein uraltes Motiv, trotzdem finden sich immer wieder neue Opfer. Früh improvisieren musste Martin Schmidt (2), der von Matthias Stohrer in der Eröffnung überrascht wurde. Das Ergebnis war ein ganz gut spielbarer, aber vom Charakter her ungewohnter Stellungstyp. Der Gegner hatte damit vermutlich mehr Erfahrung und stand nach einem übereilten Bauernvorstoß von Martin etwas besser, bot aber etwas ambitionslos Remis an, obwohl seine Mannschaft schon Probleme hatte. Auch Matthias Hönsch (1) sah keinen Anlass, das Remisangebot von Michael Schwilk abzulehnen, als seine zunächst angenehmere Stellung nach einem unterschätzten Manöver gerade zu kippen schien. Eine andere Geschichte war das Remis von Teamchef Michael Schwerteck (3). Immerhin trat er als Organisator im wahrsten Sinne des Wortes überzeugend auf, am Schachbrett geht hingegen schon seit geraumer Zeit so gut wie nichts mehr. Dabei bettelte Philipp Pluteckis gruseliger Aufbau förmlich nach Bestrafung, aber was hilft die schönste Stellung, wenn man nur körperlich anwesend ist und einem einfach nichts einfällt? Ideenreicher, wenn auch nicht ganz fehlerfrei, agierte Steffen Kohler (8), dessen Gegner Eugen Bacher immerhin 83 Lebensjahre und eine immer noch respektable DWZ von etwa 1900 verzeichnen kann. Es entwickelte sich ein spannendes Gefecht, in dem beide Seiten auf verschiedenen Flügeln attackierten. An einer Stelle hätte der Senior forciert gewinnen können, übersah aber die Möglichkeit, weil er in der Eröffnung zu viel Zeit verbraucht hatte. Danach ging es ihm selber an den Kragen. Auch bei Bernd Staufenberger (6) hatte sich ein Sieg zunächst nicht unbedingt abgezeichnet, denn nach frühen Vereinfachungen schien die Luft weitgehend raus zu sein. Im weiteren Verlauf schaffte Bernd es aber, seinen isolierten d-Bauern zu einer Stärke zu machen und immer weiter vorzustoßen. Am Ende kam noch ein kleiner Umwandlungstrick und Harald Fendel musste aufgeben. Derweil zweifelte kaum jemand daran, dass Jörg Jansen (4) den Punkt einfahren würde, nachdem er Frank Paschittas Königsstellung aufgerissen hatte und der Gegner in hoher Zeitnot aus purer Verzweiflung eine Figur opferte. Gewinnmöglichkeiten gab es nun in der Tat genügend, aber ganz einfach war es nicht. Jörgs Spielweise war nicht unplausibel, aber es kam plötzlich zu einer verrückten Stellung, in der selbst der Computer trotz Mehrturms keinen Gewinn mehr sieht. Von dieser Entwicklung schockiert, sah sich Jörg sogar selber irrtümlich in Mattgefahr und gab den Turm zurück, wonach er objektiv klar schlechter stand. Der Plochinger war allerdings seinerseits von der Achterbahnfahrt gezeichnet und ließ eine Remisschaukel zu. Auch in der letzten noch laufenden Partie gab es Verwicklungen, wenn auch in einem früheren Stadium. Kai Schumann (5) behandelte die Eröffnung zu sorglos und bekam seinen König nicht aus der Mitte, so dass Gert Keller mit Schwarz bald die Initiative ergreifen konnte. Im Gegensatz zu so manchem Teamkollegen wollte der Plochinger an einer kritischen Stelle kein Remis durch Zugwiederholung, sondern strebte nach mehr. Im Prinzip absolut löblich und berechtigt – nur hatte die von ihm gewählte Fortsetzung ein dickes Loch in Form eines völlig übersehenen Zwischenzuges, nach welchem Kai auf einen Schlag so gut wie auf Gewinn stand. Diesen Vorteil ließ er sich nicht mehr nehmen, auch wenn der Gegner die Partie noch lange hinschleppte.

Insgesamt war das Ergebnis somit einigermaßen standesgemäß, die Leistung aber noch sehr ausbaufähig. Immerhin gab sich Neckartenzlingen im vermeintlichen Fernduell eine Blöße und kam gegen Ostfildern nicht über ein 4:4 hinaus. Die Chance zum Wiederaufstieg ist also insofern da, als man es selber in der Hand hat: Man muss „nur“ alle restlichen Spiele gewinnen. Angesichts sich abzeichnender Personalprobleme und schon jetzt bestehender Formprobleme wird dies aber schwer genug. Es kommen noch genügend gefährliche Gegner, z.B. gleich in der nächsten Runde der aktuelle Tabellenführer Kirchheim.


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